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Als Tirol noch italienisch war



Während des I. Weltkriegs, im Jahre 1916, beugten sich mehrere soignierte Herrn über die Landkarte einer Gegend, die zu Österreich gehörte und sich Südtirol nannte. Die Sachverständigen arbeiteten in den Räumen der ehrwürdigen Società Dante Alighieri.

Ihr Leiter war der Senator Ettore Tolomei, der Herausgeber der Zeitschrift Archivio per l'Alto Adige. Alto Adige oder Überetsch lautete die italienische Bezeichnung für Südtirol, die er erfunden hatte.

Die würdigen Herrn hatten die Aufgabe, für zehntausend südtiroler Orts- und Flurnamen italienische Äquivalente zu finden, für den Fall nämlich, dass Italiens Truppen Österreich-Ungarn bezwingen und Südtirol erobern würden.

So geschah es. Die Provinz südlich des Brenner-Passes wurde 1919 italienisch, und zu den robusten tiroler Namen gesellten sich elegante italienische. Aus Brixen wurde Bressanone, und aus Franzensfeste Fortezza. Sterzing hiess nun Vipiteno, und Kaltern Caldaro. Wo die tiroler Namen wie Bachkiesel mit Halsweh klangen, tat sich melodischer Wohlklang auf.

Nun aber ist in den noblen Räumen mit ihren Täfelungen und Stuckdecken fast ein weiteres Jahrhundert vergangen. Da, in einer vergessenen Besenkammer, wurde unlängst ein Sammelsurium von historischen Objekten entdeckt: eine zeitgenössische Karikatur Gabriele d'Annunzios, ein Autograph von Dantes Grossneffen Girolamo Alighieri, und ein Faszikel über Nordtirol.

German.pages.de geniesst das Privileg, aus letzterem — der Öffentlichkeit bislang unbekannten — Dokument zitieren zu dürfen.

Vorab jedoch noch eine erklärende Bemerkung: Die oben genannte Arbeitsgruppe, in Erwartung eines umfassenden Sieges der königlich savoyischen Truppen über die Österreicher, hatte nicht nur Südtirols, sondern offenbar auch Nordtirols Ortsnamen einer italianisierenden Verschönerung unterzogen.

Diese, mit wissenschaftlicher Strenge und semantischer Expertise durchgeführte Arbeit basierte auf etymologischer Forschung, wie folgende Beispiele beweisen werden.

Das Land Nordtirol wurde Bassa Engadina getauft, in Übernahme des rhäto-romanischen Vorbilds. Die Hauptstadt Innsbruck erhielt den Namen Ponteromano in der plausiblen Annahme, dass die erste Brücke über den Inn nur von Römern gebaut sein konnte, da ja sonst niemand wusste, wie man eine Brücke baut.

Weitere Namen erklären sich von selbst:
Kitzbühel......... Collecapretto
Kufstein......... Roccanoiosa
Schwaz......... Neo
Zillertal.......... Valzittelle
Thiersee.......... Lagobestiale
Rattenberg......... Montezoccole
Gries a. B........... Semola al Brennero
Vomp.......... Uffa
Hall i. T........... Riverbero Terme
Stans.......... Fermo
Katzbachthal.......... Val Fancazzo
Igls.......... Riccione in E.
Mieders.......... Corsetti
Schloss Ambras........... Villa Gran Savoia

Nach dem I. Weltkrieg wurde im Frieden von St. Germain Nordtirol doch bei Rumpf-Österreich belassen, und die Chance des Landes, zu besser klingenden Ortsnamen zu kommen, ging verloren. Beinahe, wenn nicht eine Besenkammer vergessen worden wäre.....

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—— Giorgio Ascoltone
{O-Ton Ettore Tolomei: L'umanità, considerando le raccapriccianti prove d'atrocità dei tedeschi, oramai li ripudia e li mette al bando dei popoli civili. Ed essi ci ricambiano con tutto l'odio d'una razza inferiore. Die Menschheit, die grauenerregenden Beweise der Grausamkeit der Deutschen bedenkend, weist sie zurück und verstösst sie aus der Gemeinschaft der zivilisierten Völker. Und sie revanchieren sich dafür mit dem ganzen Hass einer inferioren Rasse. TOLOMEI E., Annessione e adattamento, in Archivio per l'Alto Adige, Annata X,1915, Gleno (Alto Adige),p. 467.}